Für Motivgeber
Wohnung als Drehort anbieten: Ablauf, Voraussetzungen und Motivmiete
Die eigene Wohnung als Drehort für einen Film, eine Serie, einen Werbespot oder ein Fotoshooting anzubieten, klingt für viele zunächst ungewöhnlich. Tatsächlich suchen Produktionen regelmäßig nach privaten Wohnungen, Häusern und anderen echten Lebensräumen.
Dabei geht es nicht immer um besonders luxuriöse oder perfekt eingerichtete Immobilien. Häufig wird gerade eine glaubwürdige Wohnung gesucht, die zu einer Figur, einer Geschichte oder einer bestimmten Zeit passt.
Als Locationscout suche und prüfe ich Motive für Film-, TV-, Werbe- und Fotoproduktionen in Berlin und Brandenburg. Dieser Ratgeber erklärt, welche Voraussetzungen wichtig sind, wie eine Anfrage abläuft und was Motivgeber vor einem möglichen Drehtag wissen sollten.
Von Daniel Schnell · Locationscout für Berlin und Brandenburg
1. Welche Wohnungen eignen sich als Drehort?
Grundsätzlich kann fast jede Wohnung für eine Produktion interessant sein. Entscheidend ist weniger der persönliche Geschmack als die Frage, ob die Räume zu einem konkreten Drehbuch, einer Figur oder einer Bildidee passen.
Gesucht werden beispielsweise:
- klassische Berliner Altbauwohnungen
- Wohnungen aus den 1950er- bis 1990er-Jahren
- moderne Neubauten
- Lofts und Dachgeschosswohnungen
- einfache Studenten- oder Familienwohnungen
- ungewöhnliche Grundrisse
- Häuser mit Garten
- Bungalows und Reihenhäuser
- Wohnungen mit gut erhaltenen älteren Einrichtungen
- besonders schlichte oder bewusst unrenovierte Räume
Auch vermeintliche Nachteile können für eine Produktion interessant sein. Eine alte Küche, eine auffällige Tapete oder ein ungewöhnlich geschnittenes Wohnzimmer können genau das sein, was für eine Szene gesucht wird.
Neben der Optik spielen auch praktische Faktoren eine wichtige Rolle:
- Wie groß sind die Räume?
- Gibt es ausreichend Platz für Kamera, Licht, Team und Schauspieler?
- In welchem Stockwerk liegt die Wohnung?
- Gibt es einen ausreichend großen Aufzug?
- Wie gut ist der Zugang für Technik und Ausstattung?
- Können Produktionsfahrzeuge in der Nähe halten oder parken?
- Müssen Vermieter, Hausverwaltung oder Nachbarn einbezogen werden?
- Gibt es zeitliche Einschränkungen?
Größe und Grundriss der Wohnung
Ein Drehort sollte grundsätzlich nicht zu klein sein, damit sich Team, Schauspieler und Technik innerhalb der Räume bewegen können. Eine Wohnung sollte daher in der Regel mindestens ungefähr 50 Quadratmeter groß sein – gerne auch deutlich größer.
Eine große Wohnung kann im Bild durch die Auswahl bestimmter Blickwinkel und Räume kleiner erzählt werden. Eine tatsächlich sehr kleine Wohnung lässt sich dagegen nur schwer größer erscheinen.
Hilfreich sind außerdem ein großzügiger Schnitt und gute Sichtachsen zwischen den Räumen. Durchgänge, breite Türen oder Flügeltüren ermöglichen es der Kamera, aus einem angrenzenden Raum zu filmen, und erleichtern gleichzeitig die Arbeit des Licht-, Kamera- und Ausstattungsteams.
Auch eine kleinere Wohnung kann für bestimmte Szenen interessant sein. Bei größeren Teams oder aufwendigeren Drehs wird der verfügbare Platz jedoch schnell zum entscheidenden Faktor.
Etage, Beleuchtung und Aufzug
Auch die Etage der Wohnung spielt eine wichtige Rolle. Bei Wohnungen, die höher als im zweiten Stock liegen, wird es für Produktionen häufig schwierig, von außen durch die Fenster zu leuchten.
Selbst wenn eine Wohnung morgens oder abends besonders schönes natürliches Licht hat, muss eine Filmproduktion über mehrere Stunden hinweg eine gleichbleibende Lichtstimmung herstellen können. Das natürliche Licht verändert sich durch Tageszeit, Sonnenstand und Bewölkung. Für die Kontinuität einer Szene wird deshalb häufig zusätzlich künstlich beleuchtet.
Bei höher gelegenen Wohnungen ist es außerdem besonders wichtig, dass ein ausreichend großer Aufzug vorhanden ist. Team, Kamera-, Licht- und Tontechnik sowie Teile der Ausstattung müssen schnell und sicher in die Wohnung transportiert werden können. Ein sehr kleiner Aufzug oder ein enges Treppenhaus kann den Aufwand erheblich erhöhen.
Sollte meine Wohnung leer sein?
Nein. Diese Frage kommt in meiner Arbeit als Locationscout regelmäßig auf. Eine vollständig leere Wohnung bedeutet für die Produktion normalerweise deutlich mehr Arbeit.
Bei einem Filmprojekt mit zahlreichen Motiven und einem engen Zeitplan müsste die Ausstattungsabteilung eine leere Wohnung zunächst vollständig einrichten und anschließend wieder ausräumen.
In der Regel wird deshalb eine bereits eingerichtete Wohnung bevorzugt. Das Szenenbild passt die vorhandene Einrichtung mit ausgewählten Veränderungen an die Figur und die Geschichte an, die erzählt werden sollen.
Eine Wohnung muss also weder perfekt eingerichtet noch besonders modern sein. Eine glaubwürdige, bewohnte Wohnung ist für viele Produktionen wesentlich interessanter als ein vollständig leerer Raum.
2. Was wird in meiner Wohnung verändert und was muss ich im Vorfeld tun?
Damit ein Motiv wirklich zu der Figur und Geschichte passt, die erzählt werden sollen, wird die vorhandene Einrichtung durch das Szenenbild angepasst.
Dabei können beispielsweise:
- einzelne Möbel verschoben oder ausgetauscht werden
- Bilder und persönliche Dekorationen entfernt werden
- Vorhänge, Teppiche oder Lampen ausgetauscht werden
- zusätzliche Möbel und Requisiten hinzukommen
- Bücher, Pflanzen oder kleinere Einrichtungsgegenstände neu angeordnet werden
Bilder an den Wänden werden häufig ausgetauscht. Die Produktionsfirma muss sicherstellen, dass keine Kunstwerke, Fotografien oder persönlichen Bilder gezeigt werden, für die keine entsprechenden Bildrechte vorliegen.
Die entfernten Möbel und Gegenstände werden für die Dauer der Nutzung sicher eingelagert. Vor den Veränderungen dokumentiert die Ausstattungsabteilung den Zustand und die genaue Anordnung der Räume. Nach Abschluss der Dreharbeiten wird die Wohnung wiederhergestellt – bis hin zur ursprünglichen Reihenfolge der Bücher im Regal.
Als Motivgeber müsst ihr diese Arbeiten nicht selbst übernehmen. Auf-, Um- und Rückbau werden von der Produktion organisiert.
Soll eine Wand gestrichen oder anderweitig verändert werden, muss dies vorher ausdrücklich mit euch abgestimmt und von euch genehmigt werden. Nach dem Dreh wird die betroffene Wand grundsätzlich wieder in ihren vorherigen Zustand versetzt.
Es kommt allerdings auch vor, dass Motivgebern die neue Farbe so gut gefällt, dass sie die farbig gestaltete Wand nach dem Dreh behalten möchten. Auch das sollte schriftlich mit der Produktion abgestimmt werden.
Genehmigung von Vermieter und Hausverwaltung
Wenn ihr zur Miete wohnt, muss vor einem Dreh in der Regel die Zustimmung des Vermieters eingeholt werden.
Das dient einerseits der Absicherung der Produktionsfirma und andererseits dem Schutz eures Mietverhältnisses. Eine allgemeine dauerhafte Freigabe ist dabei normalerweise nicht ausreichend. Der Vermieter möchte verständlicherweise wissen:
- welche Produktion drehen möchte
- was in der Wohnung gedreht wird
- an welchem Tag gedreht wird
- wie lange die Nutzung dauert
- wie groß das Team ist
- welche Veränderungen geplant sind
Die Zustimmung wird deshalb üblicherweise für jede konkrete Produktion gesondert eingeholt.
Befindet sich die Wohnung in einem Mehrparteienhaus, benötigt die Produktion in der Regel auch die Zustimmung der Hausverwaltung. Das gilt häufig auch bei einer Eigentumswohnung, weil Flure, Treppenhäuser, Eingangsbereiche und andere Flächen vor der Wohnung zum Gemeinschaftseigentum gehören.
Auch Hausverwaltungen erteilen normalerweise keinen allgemeinen Freifahrtschein. Sie möchten für jedes Projekt einschätzen können, wie stark sich der Dreh auf das Haus und die Nachbarn auswirkt und welche Gemeinschaftsflächen genutzt werden sollen.
Die notwendigen Anfragen werden deshalb erst gestellt, wenn es eine konkrete Produktion mit einem möglichen Drehtermin und klaren Rahmenbedingungen gibt.
3. Welche Fotos werden benötigt?
Für eine erste Einschätzung reichen aktuelle Smartphone-Fotos vollkommen aus. Wichtig ist vor allem, dass die räumliche Aufteilung realistisch und gut erkennbar ist.
Die Bilder sollten möglichst:
- im Querformat aufgenommen werden
- gerne im Seitenverhältnis 16:9 vorliegen
- jeden Raum übersichtlich zeigen
- aus mehreren Blickrichtungen aufgenommen werden
- Türen und Übergänge zwischen den Räumen erkennen lassen
- die Außenansicht des Gebäudes und die unmittelbare Umgebung zeigen
Bitte verwendet keinen extremen Weitwinkelmodus, da dieser die Räume verzerrt und größer erscheinen lässt, als sie tatsächlich sind. Detailaufnahmen von Möbeln oder Dekorationen sind für die erste Einreichung nicht erforderlich.
4. Wie läuft eine Anfrage ab?
Die Eintragung eines Motivs führt nicht automatisch zu einem Dreh. Zunächst wird geprüft, ob die Angaben vollständig sind und ob das Motiv grundsätzlich für den Motivpool geeignet ist.
Der typische Ablauf sieht so aus:
1. Motiv eintragen
Der Motivgeber lädt Fotos hoch und ergänzt die wichtigsten Angaben zu Räumen, Lage und Erreichbarkeit.
2. Manuelle Prüfung
Ich prüfe die Einreichung und entscheide, welche Bilder und Informationen öffentlich dargestellt werden können. Die genaue Adresse und die Kontaktdaten werden nicht veröffentlicht.
3. Anfrage einer Produktion
Passt das Motiv zu einer konkreten Suche, nehme ich Kontakt mit dem Motivgeber auf. Dabei geht es zunächst um Verfügbarkeit, Zeitraum, Art der Produktion und die voraussichtlichen Rahmenbedingungen.
4. Besichtigung
Vor einer endgültigen Entscheidung findet häufig eine Motivbesichtigung statt. Dabei prüft die Produktion unter anderem Bildwirkung, Platz, Licht, Ton, Zugänge und organisatorische Möglichkeiten.
5. Vereinbarung
Erst wenn Motivgeber und Produktion den Bedingungen zustimmen, werden die Absprachen in einem Motivvertrag festgehalten.
Zu den wichtigsten Vertragsinhalten gehören:
- Drehtag oder Drehtage
- Vorbau- und Rückbautage
- vereinbarte Nutzungszeiten
- Höhe der Motivmiete
- genutzte Räume und Flächen
- erlaubte Veränderungen
- Wiederherstellung der Wohnung
- Haftung und Versicherung durch die Produktionsfirma
- Zahlungsbedingungen
- zusätzliche Vereinbarungen mit Vermieter oder Hausverwaltung
Alle wesentlichen Punkte sollten schriftlich festgehalten werden, bevor die Produktion das Motiv nutzt.
6. Drehtag
Im Motivvertrag werden neben dem eigentlichen Drehtag auch mögliche Vorbau- und Rückbautage vereinbart.
- Vorbautage
- Vorbautage sind die Tage vor dem Dreh, an denen beispielsweise Möbel verändert, zusätzliche Ausstattung eingebracht, Wände vorbereitet oder technische Aufbauten vorgenommen werden.
- Rückbautage
- Rückbautage sind die Tage nach dem Dreh, an denen die Ausstattung entfernt und das Motiv wieder in den vereinbarten ursprünglichen Zustand versetzt wird.
Nicht jede Produktion benötigt vollständige zusätzliche Tage. Je nach Umfang können Vor- und Rückbau auch nur einige Stunden dauern. Entscheidend ist, dass diese Zeiten im Vorfeld abgestimmt und im Vertrag berücksichtigt werden.
Ohne ausdrückliche Zustimmung des Motivgebers findet kein Dreh statt.
Ein Eintrag im Motivpool ist deshalb zunächst eine Möglichkeit, bei passenden Anfragen kontaktiert zu werden. Es besteht kein Anspruch auf eine Anfrage oder Buchung.
5. Wie wird die Motivmiete festgelegt?
Die Motivmiete ist grundsätzlich frei verhandelbar. Die Verhandlung findet zwischen dem Motivgeber und der Produktionsfirma statt.
Aufseiten der Produktion übernimmt diese Aufgabe häufig der Motivaufnahmeleiter beziehungsweise die zuständige Person aus dem Location Department.
Als übliche Verhandlungsgrundlage wird bei einer Mietwohnung häufig ungefähr eine monatliche Nettokaltmiete pro Drehtag angesetzt. Für Vorbau- und Rückbautage können jeweils etwa 50 Prozent der vereinbarten Tagesmiete angesetzt werden.
Bei einer Eigentumswohnung oder einem Haus kann ein vergleichbarer Verhältniswert zugrunde gelegt werden.
Dabei handelt es sich nicht um einen verbindlichen Einheitspreis. Die tatsächliche Motivmiete hängt immer von der konkreten Produktion und den jeweiligen Umständen ab, beispielsweise:
- Größe und Art des Motivs
- Dauer der Nutzung
- Größe des Teams
- Umfang der genutzten Räume
- notwendige Veränderungen
- Vorbau- und Rückbauaufwand
- Einschränkungen für Bewohner
- Nacht- oder Wochenendnutzung
- besondere Belastungen des Motivs
Ein kleines Fotoshooting mit wenigen Personen wird daher anders bewertet als ein aufwendiger Filmdreh mit großem Team, Technik und umfangreicher Ausstattung.
Die kostenlose Eintragung eines Motivs verpflichtet den Motivgeber nicht dazu, eine angebotene Produktion oder eine vorgeschlagene Motivmiete anzunehmen.
6. Was passiert am Drehtag?
Ein Drehtag beginnt häufig deutlich früher als die eigentliche Aufnahme. Technik, Licht und Ausstattung müssen in die Räume gebracht und vorbereitet werden.
Je nach Produktion können unter anderem folgende Arbeiten stattfinden:
- Möbel werden vorsichtig verschoben
- vorhandene Dekoration wird vorübergehend entfernt
- zusätzliche Möbel und Requisiten werden aufgebaut
- Fenster werden abgedunkelt
- Licht- und Kameraausrüstung wird eingerichtet
- empfindliche Böden und Laufwege werden geschützt
- Räume werden für Maske, Kostüm oder Technik genutzt
Vor Beginn sollte gemeinsam dokumentiert werden, in welchem Zustand sich die Räume befinden. Empfindliche Bereiche und Gegenstände können zusätzlich schriftlich festgehalten werden.
Nach dem Dreh werden die Räume zurückgebaut und in den vereinbarten Zustand versetzt. Vor- und Rückbauzeiten sollten bereits im Motivvertrag festgelegt worden sein.
Motivgeber müssen während des gesamten Drehs nicht zwingend in der Wohnung bleiben. Es sollte jedoch eine erreichbare Ansprechperson vorhanden sein.
7. Wie bleiben Adresse und Kontaktdaten geschützt?
Bei privaten Motiven ist Diskretion besonders wichtig.
Auf movie-location-berlin werden die genaue Anschrift, Kontakt-E-Mail und Telefonnummer nicht öffentlich angezeigt. Öffentlich sichtbar sind nur die für eine erste Einschätzung notwendigen Informationen, beispielsweise:
- Bilder des Motivs
- Motivart
- Stadt oder Bezirk
- ungefähre Lage
- Größe und Ausstattung
- ausgewählte öffentliche Beschreibungen
Die vollständigen Angaben werden zur Prüfung des Motivs, zur Kontaktaufnahme und zur Bearbeitung konkreter Produktionsanfragen verwendet.
Motivgeber sollten trotzdem darauf achten, auf den hochgeladenen Fotos keine sensiblen Informationen zu zeigen. Auch markante private Details können auf Wunsch vor einer Veröffentlichung entfernt oder durch andere Aufnahmen ersetzt werden.
Ein Motiv wird erst nach manueller Prüfung freigeschaltet.
Weitere Informationen zur Verarbeitung der Daten stehen in der Datenschutzerklärung.
8. Wohnung als Drehort eintragen
Das Eintragen einer Wohnung, eines Hauses oder eines Gewerberaums ist für Motivgeber kostenlos und unverbindlich.
Für die Einreichung werden benötigt:
- einige aktuelle Fotos
- eine kurze Beschreibung
- Angaben zu Art, Größe und Lage des Motivs
- die genaue Adresse für die interne Prüfung
- eine Kontaktmöglichkeit
- die Bestätigung, dass das Motiv und die Bilder angeboten werden dürfen
Nach der Einreichung prüfe ich das Motiv persönlich. Erst anschließend wird entschieden, ob und in welcher Form es im öffentlichen Motivpool erscheint.
Bei einer passenden Produktionsanfrage melde ich mich direkt beim Motivgeber. Eine Weitergabe der genauen Anschrift oder eine Besichtigung erfolgt nicht ohne vorherige Abstimmung.
Über den Autor
Daniel Schnell arbeitet als Locationscout für Film-, TV-, Werbe- und Fotoproduktionen in Berlin und Brandenburg. Er recherchiert geeignete Motive, stimmt Anfragen mit Eigentümern und Motivgebern ab und begleitet die Vorbereitung bis zur möglichen Drehfreigabe.
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Ein Eintrag garantiert keine Vermittlung. Bei einer passenden Anfrage entscheidest du selbst, ob du dein Motiv zur Verfügung stellen möchtest.